US-Regierung gibt Kontrolleüber DNS-Rootzone nicht her
Die US-Regierung will ihre Aufsicht über das Domain Name System (DNS) und die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) nicht aufgeben. Diese überraschend klare Kampfansage an die internationale Gemeinschaft unmittelbar vor der Veröffentlichung des Berichts der UN Working Group on Internet Governance (UN WGIG) machte Michael Gallagher, Assistant Secretary der US-amerikanischen National Information and Telecommunication Administration (NTIA), die im Rahmen des US-Handelsministeriums für diese Themen zuständig ist.
Am Rande einer Veranstaltung der Wireless Communications Association legte Gallagher vier Kernpunkte der US-DNS-Politik dar. Die Vereinigten Staaten würden “nichts unternehmen, was die Möglichkeit negativer Konsequenzen für einen erfolgreichen und effizienten Betrieb des DNS birgt und wird daher ihre historische Rolle bei der Authorisierung von Änderungen oder Anpassungen des maßgeblichen Rootzone-Files beibehalten.” Auch ICANN will man explizit nicht von der Leine lassen und weiterhin die Aufsicht behalten.
Ein wenig Bewegung sehen US-Experten daher auch beim Hinweis von Gallagher, dass man mit anderen Ländern über die Aufsicht von deren Länderdomains (ccTLDs) reden müsse. Offensichtlich scheint der US-Seite eines klar: Sie kann kaum erwarten, dass internationale Regierungen die US-Oberaufsicht einfach so hinnehmen. Denn die USA behielten damit weiterhin nicht nur alle kommerziellen Top-Level-Domains (gTLDs) wie .info. oder .com und ihre eigenen Top Level Domains .gov, .mil oder .us in der Hand, sondern auch die Länderdomains anderer Staaten. Dass dieses kleine Zugeständnis die Gemüter bei den anstehenden Treffen zum Weltgipfel der Informationsgesellschaft (WSIS) beruhigen wird, ist aber äußerst unwahrscheinlich. (Monika Ermert) / (jk/c’t)



