Barcamp Hamburg: Empfang der Arrièregarde?
Quo Vadis Barcamp? Nach mittlerweile 5 Unkonferenzen gibt es erste (lautere) kritische Anmerkungen. Patrick Breitenbach hat seine Sicht in dem Artikel “Barcamp Hamburg: Abschied der Avantgarde?” dargelegt.
Kritisiert wird vor allem, dass es inhaltlich verstärkt um Startups und deren Monetarisierung ging. Natürlich war der Anteil der Gründer viel höher als auf den bisherigen Barcamps, dies liegt imho aber auch daran, dass das Thema Barcamp sich nun nicht nur unter der ‘Avantgarde’ herumspricht, sondern auch ‘normale’ Geeks anspricht. Darunter hat dann angeblich auch die Qualität der Sessions gelitten, da hier kaum noch über Innovatives und Inspiratives gesprochen wurde.
Natürlich ging es um Geld in den Sessions. Aber hey, die Sessions organisieren sich aus den Interessen der Teilnehmer. Wenn ich sehe, dass diese Talks und Diskussionsrunden die Massen anziehen, dann muss ich akzeptieren, dass es sich hier um das Interesse der Leute handelt - dass sie eben diese Sachen hören wollen.
Ich halte es für falsch, hier einfach Themen zu oktroyieren, die die Leute nicht interessieren. Wir hatten superinteressante Sessions, die viel Inspiration liefern konnten und in denen nicht von Geld gesprochen wird. Wenn dies nur wenige der Teilnehmer anspricht, dann frage ich mich schon, ob diese Extrasessions überhaupt ‘organisiert’ werden sollten oder ob man die Sessionplanung nicht den Teilnehmern komplett überlässt.
Die Avantgarde zieht sicher weiter und auch Barcamps verändern sich. Kein Barcamp ist wie das andere und keines wird jemals genauso sein wie das in Berlin. Und auch in Berlin gab es kritische Stimmen.
Was kann man aber tun?
Sollte man etwa schon bei den Teilnehmern anfangen zu filtern? Sollte man das Sponsoring auf Raum und Wlan reduzieren?
Ich merke ja selbst, dass ich von den Sessions nicht mehr so viel mitnehmen kann. Das liegt aber einfach daran, dass ich die meisten Vortragenden und ihre Themen schon kenne. Daher haben wir auch versucht, den Fokus auf die Gespräche zwischen den Sessions zu legen (daher z.B. die 30min Pause zwischen den Sessions). Und ich denke dies hat auch funktioniert - viele haben mir bestätigt, dass sie auf keinem anderen Barcamp jemals so viel (interessante) Gespräche führen konnten.
Und diese Gespräche sind es imho, die das wirklich Spannende sind an den Unkonferenzen. Die gemeinsamen Aktivitäten am Abend sollen genau dies wiederum unterstützen.
Sorgt man dagegen für eine extrem elitäre Veranstaltung, die lediglich die ‘Ubergeeks’ anspricht, so verfehlt man in meinen Augen einige der Ziele eines Barcamps, da die Offenheit nicht mehr gegeben ist.
Mit Sicherheit ist jedes Barcamp anders. Und auch jeder hat ein anderes Verständnis davon, wie ein Barcamp auszusehen hat. Wir haben in Deutschland viele Leute, von denen wir in dieser Hinsicht auch viel lernen können. Diese Leute sind auch bereit ihre Ansichten zu teilen. Aber dennoch geht es im Endeffekt nicht um die Meinungen einzelner, sondern die Interessen aller.
Ich habe extra in der Abschlusssession alle gebeten kurz ihr Feedback zu geben, was sie jeweils gut und schlecht fanden. Interessanterweise wurde hier eigentlich nur Kritik daran geübt, wie die Sessionsplanung auszusehen hat und nicht deren Inhalt.
Ich kann nur jedem, der meint Missstände bei den Barcamps zu finden, empfehlen, selbst ein Barcamp zu organisieren und zu zeigen, wie es ‘richtig’ geht…
Auf jeden Fall haben wir jetzt eine gute Möglichkeit zu diskutieren, in welche Richtung sich die deutschen Barcamps bewegen sollen… Any Ideas?



und ewig lockt der zaster…